Susanne Schmincke

Susanne Schmincke, 1955 geboren in Northeim, Studium der Zahnmedizin in Köln, 34 Jahre eigene Praxis in Koblenz, drei Kinder, 2002 Beginn mit Schreiben, hauptsächlich Kurzprosa, bei der Literaturwerkstatt Neuwied, Redaktionsmitglied der Literaturzeitschriften "Dichtungsring" in Bonn" und "Matrix" in Ludwigsburg, dort auch Veröffentlichungen, Gründungsmitglied der "Brückenschreiber".

 

 Früher Morgen


Rolladendunkel in meinem Schlafzimmer verhindert, dass ich nach der Party gestern meine Augen öffnen möchte. Schwingt nicht noch Musik im Kopf?

Etwas dreht sich, scheint mein Bett anzuheben. Jetzt bloß nicht bewegen. Es ist doch Sonntag!

Keine Geräusche dringen von draußen oder aus der Nachbarwohnung. Weiterschlafen! Träumend gleite ich in Wasser. Ein ovales Schwimmbad, sehr warm, rundherum Bücherschränke, riesige Regale mit unzähligen Büchern, farbige Rücken, Wörter in tausend Schriftarten.

Ich schwimme langsam und überlege, ob und wie die Bücher sortiert worden sind, alphabetisch oder thematisch? Ich tauche. Das Wasser auf meinen Lippen schmeckt nach Ananas. Ich möchte mehr trinken. Meine langen Haare legen sich fest über die Haut.

Im nächsten Moment befinde ich mich eingehüllt in einen Bademantel auf einer Liege, will lesen, aber ich kann den Kopf nicht mehr bewegen und so das Buch in meiner Hand nicht erkennen.  Es ist vom Format her ein Bildband. Ich blinzele nach unten, aber mein Nacken ist steif.  Ich denke, dass ganz schwere Bücher mich bedrücken, auf meinem Kopf gestapelt sind und ihn umfassen wie ein Helm. Rechts und links vor den Ohren, alles Bücher.

Mein Kopf tut weh, weh, weh.

Diese Bücher. Lassen sie Buchstaben in mein Hirn purzeln? Oder bohren sie sich mit ihren Füßchen durch die Haare?

 

Ich möchte mich auf die andere Seite drehen, aufstehen, Kaffee trinken, aber mein Kopf ist so schwer. Ich trinke nie viel Alkohol. War etwas in dem letzten Cocktail? Nein,  das ist unwahrscheinlich.

Durst. Meine Zunge klebt am Gaumen. Ich brauche dringend ein Glas Wasser. Und aufs Klo muss ich auch.

Mit aller Kraft stemme ich meinen Oberkörper in die Höhe, als etwas Weiches über mein Gesicht streicht.

„Schröder, du Biest! Blöder Kater!“

Miauend springt meine Katze auf den Fußboden.



       ©Susanne Schmincke

 

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