Jürgen Gebhardt               

Im Mai 1957 in Koblenz geboren, seit der Jahrtausendwende im unteren Westerwald lebend. Schreibt Kurzgeschichten seit 2005. Themen sind die Skurillitäten des Alltags, die Natur, die Heimat und die Menschen. Das Leben an sich in all seinen Facetten. Erfüllte und unerfüllte Wünsche, Träume und Sehnsüchte. Die Vergänglichkeit und der Tod. Wird auch zukünftig mit Lust und Frust an kürzerer und längerer Prosa mit dem Ziel arbeiten, diese in Anthologien und Literaturzeitschriten zu veröffentlichen und bei Lesungen vorzutragen. 


50 Wege, den Planeten zu retten (Heute #45: Fahrradtour zur Sporkenburg)

 

Tipp #45 aus der Zeitung ausgeschnitten, die man am Sonntag selbstverständlich immer nur des Sports wegen kauft. 

"50 Wege, unseren Planeten zu retten" liest man da. Tipp #45 - Umgebung entdecken  - und, wie es weiter heißt: "Natürlich kann man den Kollegen im Büro nach einem Trip nach Barcelona tolle Fotos zeigen. Aber ..." 

Da war ich mal wieder meiner Zeit voraus, bemerke ich, und das aus eigenem Antrieb, ohne Anschub durch die Sonntagszeitung - BRAVO! 

Samstag, früher Nachmittag: Mit dem Mountain-Bike rauf zur Sporkenburg. Wirtschaftswege, aufgewühlt durch die tellergroßen Hufe schnaufender Rückepferde. Kühle Luft dringt in meine Bronchien, vereinzelt durchschneiden Sonnenstrahlen das Dunkel des Waldes. Neben dem schmalen Pfad bodenloser Abgrund, tief unter mir der reißende Bach talabwärts. Nach einem giftigen Anstieg taucht vor mit die mächtige Schildmauer der Sporkenburg auf. Ich rufe verschüttendes Schulwissen auf. Heimatkunde: Sporkenburg bei Eitelborn/Westerwald: 1310 errichtet, ursprünglich 35 Meter lang, 18 Meter breit. Fünfstöckige Schildmauer mit Tourellen (Ecktürmchen) an jeder Ecke. Ehrfürchtig durchstreife ich das alte Gemäuer. Hier müsste der Innenhof gewesen sein, dort das Palas, am Ende die Gesindehäuser. 

Zurück nach Hause geht mir vieles durch den Kopf. Das Rittertum: Untergegangen, vor Jahrhunderten. Die Sporkenburg ist steinerner Zeuge längst vergangener Tage. Barcelona? Kenn ich, kann ich jederzeit besuchen. Sporkenburg? Muss ich mir erkämpfen und regt mich an, weiter in der Heimatgeschichte zu forschen. Mir fällt der Artikel dieser Sonntagszeitung wieder ein: "Umgebung entdecken, ohne pro Flugreise ein Kilo CO 2in die Luft zu pusten."

Habe ich gemacht und mir ganz nebenbei die Bronchien voller frischer heimatlicher Waldluft gepumpt. Nebenbei: Wieviel CO 2gespart? Wahrscheinlich eine ganze Menge! Zufrieden komme ich nach Hause, gerade rechtzeitig zur Bundesliga-Schlusskonferenz. Ein perfekter Samstag! Und, ganz nebenbei -, den Planeten gerettet. Zumindest so ein kleines bisschen.

                                       © Jürgen Gebhardt

 

 

Kontakt:  

brueckenschreiber-koblenz@t-online.de